Säulen menschlichen Strebens von Elios Schastél

Im Alter von zwanzig Jahren verfasste ich eine Geschichte, die ich einige Jahre später zweimal überarbeitet habe und in diesem Menüpunkt als E-Book mit anderen Menschen teile. Viel Vergnügen wünscht Elios Schastél.




Zusammenfassung


Schasa verbringt ihr Leben in Einsamkeit und der Routine des Alltags. Spürend, dass sie eine falsche Identität führt, befindet sie sich in innerer Zerrissenheit. Eines Tages erfährt sie eine Bedrohung durch Staubflocken in ihrer Wohnung. Sie zerstören ihr Leben, bis sich Schasas Stern verschließt. Sie flüchtet aus ihrer Heimat und begibt sich auf eine innere Reise durch den Kosmos. Sieben Welten durchläuft sie. Sie gelangt über die Basis, die Taille, das Zentrum, den Stern, das Bewusstsein, die Augen bis hin zur Krone, an der sie zur inneren Reifung gelangt. Auf der Basis der Erfahrungen ihrer Reise erschließt sie sich eine Religion der Liebe und sie gibt diese an die Menschen weiter.




Kategorie


Esoterik & Abenteuerroman




Dank & Widmung


Ich danke Schamong dem Lichtkind in der Basis, Bene der Iniziatorin in der Taille, Heròs dem König im Zentrum, Palòné der Künstlerin im Stern, Freseia dem Gläubigen im Bewusstsein, Tenessa dem Imaginator in den Augen und Schasal dem Innovator in der Krone für die Inspiration, die sie mir bei meiner Reise in den Kosmos gegeben haben. Ihnen und meinen Eltern widme ich die Geschichte der Säulen menschlichen Strebens.





Säulen menschlichen Strebens







I Schasas Kindheit



ein Leben in Einsamkeit


Schasa saß Zuhause. Das Zimmer war dunkel. Die Tür war verschlossen. Alles war still. Nichts bewegte sich. Eine Stehlampe erleuchtete das graue, trübe Szenario. Vom ersten Moment an warf sie einen runden Lichtkreis auf Schasa. Sie saß auf einem Stuhl, wobei sie auf das Telefon sah. Es hatte seit Jahrzehnten keinen Ton mehr von sich gegeben. Seine Tasten waren eingefallen. Mit sanftem Blick und dünnen Beinen hielt sie ihre zärtliche Gestalt aufrecht. Sie führte ein leeres Leben. Ihre innere Uhr tickte. In ihrem jungen Alter trug sie bereits Falten im Gesicht, die ein Zeichen für inneren Verfall waren. Seit Jahren verlebte sie ihre Zeit wartend. Wenn sie jeden Morgen aufwachte in dem Moment, in dem sich die Sonne erhebt, dachte sie stöhnend: „Bitte lass mich nicht noch einen Tag weitermachen müssen.“ Dann ging sie in die Küche. Dann frühstückte sie. Dann wusch sie ab. Dann zog sie sich an. Dann setzte sie sich auf ihren Stuhl neben dem Telefon und dann wartete sie. Nichts geschah. Sie fühlte, dass eines Tages etwas geschehen würde. Tief in sich drängte sie ein unterdrücktes Gefühl des Aufdrangs, das sie in Worten nicht bestimmen konnte. Am Rand ihres Bewusstseins fühlte sie ein Schreien. Es war eine schmerzende bis hin zu quälende Last. Sie saß seit Jahren in ihrem schwach beleuchteten Zimmer, ein schwarzes Loch in die Leere blickend. Sie fühlte die Ungerechtigkeit ihres Schicksals. Sie wollte leben, aber ihr Dasein blieb ereignislos. Sie flüchtete sich in ihre eigene Welt. Dort fand sie, wonach sie sich sehnte. In einem Schloss, in dem Engel wohnten und in dem Gott lebte, der sie liebte, konnte sie spielen. Sie verdrängte die Realität ihres Zimmers. In ihrer Welt gab es nur das Schloss mit Gott und seinen Engeln. Die Welt ihrer Vorstellungen begleitete sie in fast jedem Moment ihres Lebens. Nur selten kehrte sie zurück in die empirische Realität. Niemand konnte ihre Träume sehen. Von Zeit zu Zeit schaute sie verträumt aus dem Fenster. Draußen stand eine Horde Stiere. Sie starrten seit Jahren regungslos zu den Fenstern ihres Hauses hinauf. Dort sahen sie eine schöne Frau in grauem Ambiente sitzen. Die Umrisse einer weißen Gestalt konnten sie hinter trüben Scheiben in einer Mischung aus Dunkelheit und einem Lichtfleck, den eine Stehlampe warf, erkennen. Das Licht des Faschismuses schien durch die Wände des Hauses hindurch. Die Stiere wussten, dass Schasa wartete. In ihren Vorstellungen versuchten sie den verborgenen Teil ihrer Gestalt zu erfassen. Ihre Vorstellungen waren schlecht. Das Gute vorzustellen waren sie nicht fähig. Sie verbreiteten untereinander schlechte Worte, wobei sie sich über das Bild der weißen Frau hinter dem Fenster freuten, das ihnen stetig neue Inhalte zum Erzählen gab. Schasa schenkte ihnen vom Fenster herab ein verträumtes Lächeln. Sie beachtete die Tiere nicht weiter. In ihrer eigenen Welt gab es sie nicht. Wenn sie aus ihrer Welt zurückkehrte in die Kälte der Realität, in der der Lichtkreis im Zimmer wartete, dann fühlte sie wieder eine Endlosigkeit aus Leere und innerer Zerrissenheit. Gewiss hätte sie noch jahrelang in ihrer zweigeteilten Welt weitergelebt, bis die Glühbirne kein Licht mehr geworfen hätte. Ihr Leben hätte ein Ende genommen und kurze Zeit später wäre ihr Haus eingefallen. Eine Wolke an Rauch hätte sich aus ihm erhoben und sie wäre zum Himmel aufgestiegen. Die Stiere, die das Haus immer angestarrt hatten, hätten dem Einsturz regungslos zugesehen. Noch wenige Tage hätte man unter ihnen erzählt, dass eine Frau vom ersten Moment bis zum Ende hinter einem Fenster im Lichtkreis des Faschismuses gesessen und nichtsnutzig gewartet hätte. Die Erinnerung an Schasa wäre schnell verebbt. Ein einsames und ungerechtes Leben wäre vergangen.



II „Licht vom Kosmos“



Lebenswandel


Schasa führte ein zweites Leben, das in ihrer frühen Kindheit begann. Entsprechend ihrer Gewohnheit saß sie in ihrem Zimmer auf dem Stuhl und sie sah aus dem Fenster. Es war Nacht und die Stiere draußen starrten regungslos zum Fenster herauf. Am Himmel war eine Masse von Sternen zu sehen. Sie fixierte einen Stern, der ihr besonders auffiel. Er bewegte sich ein wenig zu beiden Seiten. Dabei vermittelte er den Eindruck, dass er auf sich aufmerksam machen wollte. Sie begann sich ein Gedicht über ihn auszudenken. Als sie es beendet hatte, sprach sie es ihm zu. Der Stern hörte ihr vom Himmel aus zu. Beim Rezitieren schaute sie auf ihn. Dann hörte sie einige Worte, aber sie verstand sie nicht. Das Gedicht hielt sie in ihren Händen und plötzlich, während sie noch ein Wort an das nächste reihte, entstand ein Schloss vor ihren Augen im Himmel. Es war ein weißes Schloss mit Säulen vor dem Eingang. Schön und massiv erstreckte es sich auf einer Insel im Himmel. Im Hintergrund sah sie das blaue Meer. Sie hörte eine kraftvolle schöne Musik erklingen. Die Pforten des Schlosses öffneten sich. Als sie hineinsehen wollte, verschwand es wieder und sie schaute auf den Stern in einer Sternenmasse. Die Erinnerung verharrte in ihr, während ihr Blick auf die Stehlampe in ihrem Zimmer zurückfiel. Ihr wurde kalt. Ein elektronisches Summen begann im Hintergrund leise hörbar zu werden. Schasa nahm es unbewusst wahr. Die Zeit verstrich langsam. Ein drückendes Gefühl breitete sich in ihr aus. Die Kälte der Realität ließ den Wunsch aufkommen zum Schloss im Himmel zurückzukehren. In ihr entstand ein Gefühl der Zerrissenheit zwischen zwei Welten. Seit diesem Tag begann sie oft in den Himmel zu sehen. Sie besuchte das Schloss. Dort fand sie Gott und seine Engel. Immer, wenn es verschwand, fiel ihr Blick auf den Sternenhimmel. Dann streifte er über die Stiere draußen hinweg, bis er auf der Stehlampe in ihrem Zimmer verharrte. Die Stiere starrten zum Fenster herauf. Regungslos tauschten sie sich jeden Tag über die Gestalt hinter dem Fenster aus. „Ist die doof?“ fragte gelegentlich der eine Stier den anderen mit einem Seitenblick. „Die macht ja gar nichts.“ sagte dann der andere Stier dem einen. Schasa lächelte verträumt vom Fenster herab. Das Gefühl von nicht vergehender Zeit und die Gewohnheit ließen sie in einem unruhigen latenten Zustand verharren. Eine scheinbare Stille lag auf dem Haus. Eines Tages, als Schasa wieder zu ihrem Schloss fliehen wollte, war ein lautes Geräusch hörbar. Sie zuckte zusammen. Ihr Blick fiel zur Decke. Im Zentrum der Decke hing eine Staubflocke. Mit gewaltigen Ausmaßen nahm sie den meisten Teil der Oberfläche ein. Sie löste sich langsam vom Belag, bis ein erster Teil von ihr abbrach. Er flog in Richtung des Bodens. Schasa richtete ihren Blick auf und sie sah das unbekannte Flugobjekt auf sich zukommen. Ihr linkes Augenlied begann zu zucken. Es verkrampfte, bis schließlich eine Welle der Entrüstung durch ihre gesamte Gestalt ging. Sie war entgeistert. In sich rief sie: „Es gibt Staub in meinem Zimmer?“ Sie konnte ihren Augen nicht trauen. Der Anblick eines Objekts, das unberechtigterweise in ihr Zimmer eingedrungen war, ließ sie Gefahr vermuten. Sie fixierte das Objekt ohne sich zu bewegen. Ein weiteres Geräusch war deutlich hörbar. Schasa schaute wieder zur Decke. Ihr linkes Auge verkrampfte noch mehr, als sie einen zweiten Teil von der Flocke sich lösen sah. Er fiel langsam in Richtung des Bodens. Schasa spürte noch mehr Gefahr, als sie es zuvor getan hatte. Sie ahnte, dass sich ein Vorspiel ereignete. Angst kam unbewusst in ihr auf. Als ein drittes lautes Geräusch den Fall des größten Teils der Flocke ankündigte, verharrte sie bewegungslos. Ihr Blick wurde starr. Sie glaubte eine innere Gewissheit in sich sprechen zu hören: „Bleib ruhig. Es wird nichts passieren.“ Das leise elektronische Geräusch, das sie seit Jahren im Hintergrund surren hören hatte, wurde lauter. Sie begann es bewusst wahrzunehmen. Ohne zu verstehen breitete sich ein Gefühl der Taubheit in ihr aus. Sie wandte den Blick nicht von den Staubflocken. Wieder glaubte sie die innere Gewissheit in sich sprechen zu hören: „Mir kannst du vertrauen.“ Schasa spürte eine Taubheit in ihrem Brustkorb stärker werden. Sie wurde kalt. Panik kam plötzlich in ihr auf. Sie fragte sich, ob das Surren mit den Staubflocken zusammenhing, als sie fühlte, dass ihr Denken erlahmte. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sie wollte aufschreien, aber ihr Mund erschlaffte, während sich ihr Herz verlangsamte. Schmerz kam in ihrem Brustkorb hoch und sie begann zu schreien. Die innere Gewissheit, die sie zu hören glaubte, versuchte sie zu beruhigen: „Es ist nicht schlimm.“ Sie spürte eine Unehrlichkeit in der Stimme. Als sie ein weiteres Mal ihren Brustkorb zerreißen spürte, schrie sie auf. Hilfe suchend, rannte sie zur Tür. Ihr Herz begann immer langsamer zu schlagen. Wut platzte von dem empfundenen Schmerz aus ihr hervor. Tränen traten in ihre Augen. Bevor sie die Tür erreichte, fiel sie in einem Anfall von Schwäche gegen die Wand. Das elektronische Summen wurde immer lauter. Sie hielt sich die Hand vor das Herz, das seine letzten Zeichen gab. In ihrem Brustkorb hatte sie keine Empfindung mehr. Der Schockzustand trat ein. Ihr inneres Wesen schrie: „Nein. Bitte nicht. Hört auf!“ Ihre Augen färbten sich schwarz und sie zuckten alienartig in hoher Geschwindigkeit zu allen Seiten des Zimmers. In ihrem Stern verschloss sich die vorletzte Windung. Ein letztes Band ihres Herzens war noch unberührt. Die Panik übermannte sie. Allein ihr Bewusstsein hielt sie noch am Leben. Mit klarem Verstand entschied sie zu fliehen. Sie riss sich vom Boden hoch und sie rannte aus dem Haus. Ihre Hände hielt sie schützend vor der Wange und dem Herzen. Als sie durch den Garten rannte, schoss ihr ein Stier in das Bein. Sie fiel. Er starrte sie regungslos an. Sie sprang auf und sie rannte davon.






III Schasas Entscheidung



der Beginn eines neuen Weges


Ihre dünnen Beine trugen sie über die Straße bis zum Ende des Dorfes. Die Panik weiterhin in sich spürend, rannte sie, bis sie an einer Weggabelung ankam. Nach Atem ringend, blieb sie stehen. Sie schaute sich zu beiden Seiten um. Auf der einen Seite der Gabelung sah sie die Vergangenheit. Ein Dorf mit ein paar Häusern, denen die Fassade der Ereignislosigkeit in das Gesicht geschrieben stand, erfüllte die Sicht. Ein paar Stiere starrten regungslos zu den Fenstern eines Hauses herauf. Durch die Fenster hindurch schimmerte ein scheinbar gutmütiges Lächeln, dass Schasa zurückrufen wollte. Sie spürte die Panik und den Schmerz noch in ihrer Brust. Als sie zur anderen Seite der Gabelung sah, eröffnete sich ihr die Zukunft. Es lag ein Weg vor ihr, der bis in den Horizont reichte. Nicht ahnbare Welten warteten dahinter auf sie. Berge bedeckten das gesamte Sichtfeld. Der schmale Weg führte verlockend durch felsige Täler hindurch. Ein gelb violetter Himmel lachte ihr nicht eindeutig und mit beobachtendem Blick entgegen. Der Blick bestand aus zwei Augen, die sie mit höherem Bewusstsein aus den Wolken heraus fixierten. Ein Gesicht war hinter ihnen nicht zu erkennen. Sie erschienen ihr als ein mystisches Ereignis. Bei deren Gegenwart spürte sie eine innere Führung. Die Empfindung von Vertrauen machte sich in ihrem Steißbein bemerkbar. Sie wurde neugierig. Ihre Aufmerksamkeit wandte sie von dem mystischen Blick im Himmel nicht ab. Kurze Zeit später war er wieder verschwunden. Sie blinzelte irritiert. Am Himmel waren nur noch Wolken zu sehen. Sie glaubte wieder allein zu sein. Noch nie in ihrem Leben war sie in dieser Weite von ihrem kleinen Zimmer entfernt gewesen. Noch nie hatte sie sich an einem Ort aufgehalten, der diesem gleichkam. Während ihr erschöpftes Herz allmählich wieder schneller zu schlagen begann, ließ sie die bergige Atmosphäre auf sich wirken. Sie war allein in unberührter Natur. Im Stich gelassen stand sie hilflos, um sich sehend. Kummer zeichnete Spuren in ihrem Gesicht. „Du meine Güte, was habe ich getan?“ dachte sie. Sie realisierte, dass sie von ihrem Zimmer weggerannt war ohne sich davon verabschiedet zu haben. Sie hatte keinen Gedanken an die Konsequenzen ihrer Handlungen verloren. Eine Rückblende ließ sie innerlich verharren. Sie sah sich vor ihrem geistigen Fenster aus dem Haus rennen, während die Staubflocken auf dem Tisch lagen. Ihr Herz zitterte. Sie wollte nicht zurückkehren, denn sie hatte Angst, dass ihr Herz und ihr gutes Wesen endgültig zerstört werden würden. Sie dachte: „Wenn ich zu meinem Zimmer zurückginge und diesen Monsterflocken wieder begegnete, dann würde ich erneut fliehen. Sie zerstören das Leben in mir. Ich spüre Schmerzen, die ich mir nicht erklären kann. Mein Stern hat sich verschlossen.“ Ihr Gesicht war, seitdem sie den ersten reißenden Schmerz in ihrem Brustkorb erfahren hatte, erstarrt. Sie dachte weiter: „Wenn ich zurückkehrte, dann würde mein Leben nie wieder das gleiche sein, das es einmal war.“ Sie weinte innerlich. Die Tränen verharrten hinter ihren Augen. Niemand konnte sie sehen. Sie wollte zurückkehren in ihre Heimat, aber sie spürte, dass sie den anderen Weg nehmen sollte. Welten, die sie zu besuchen hatte, erstreckten sich auf ihm. Eine unergründliche Neugierde zog sie in Richtung der hohen Berge. Sie fühlte sich hilflos bei dem Gedanken sie zu besteigen. Sie fragte in Richtung des Horizonts: „Was mache ich jetzt?“ Eine Stimme, die aus der Ferne hinter dem Horizont kam, antwortete ihr: „Wir wissen, wer du bist.“ Schasa schreckte zusammen. Sie suchte nach dem Sprecher. Unbewusst bewegte sie sich ein paar Schritte zum Horizont, als die Stimme wieder mit einem ruhigen, klaren Klang zu sprechen begann. „Du triffst die richtige Entscheidung.“ Eine Pause trat ein, in der Schasa Aufregung in sich spürte. „Dein Weg ist noch weit.“ sprach die Stimme. Stille, die allein vom Geräusch des Windes unterbrochen wurde, breitete sich aus. Sie sah aufmerksam und neugierig zum Horizont. Sie suchte ihn ab. Für einen kurzen Moment öffnete sich im Himmel wieder der mystische Blick von zuvor. Die Augen schauten sie mit konzentrierter Aufmerksamkeit an, als ob sie ihre Eignung einschätzen wollten. Sie sahen ihr direkt in die Seele. Schasa fühlte wieder, dass die Empfindung von Vertrauen sich in ihrem Steißbein ausbreitete. Der mystische Blick begann sich umzusehen. Für einen kurzen Moment verharrte er auf dem Haus, von dem sie gekommen war. Seine Pupillen erstarrten, als ob sie Gefahr erkennen konnten. „Folge mir. Ich führe dich auf den richtigen Weg.“ sprach er. Dann war er wieder verschwunden. Schasa verstand sofort. Sie vertraute grenzenlos der inneren Führung. Ein letztes Mal schaute sie zurück. Dann ging sie mit eiligen Schritten zum Horizont. Eine Frage bohrte sich in ihr hervor. „Warum gehe ich diesen Weg?“ Sie lief etwas schneller. Dann wurde die nächste Frage zum Rand ihres Bewusstseins gepresst: „Warum erfahre ich diesen Wandel? Was ist der Sinn meines Lebens?“ In ihrem Kopf häufte sich die Neugierde an der Erfahrung und Lebensdurst, die seit Jahren verdrängt worden waren. Eine letzte Frage, die sie nicht loswerden sollte, setzte sich in ihr fest: „Was ist meine innere Bestimmung?“ Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, nahm sie den Weg auf sich. Sie rannte zum gelb violetten Horizont. Viele Berge, die unbekannte Abenteuer bargen, warteten auf sie. Als sie hinter dem Streifen des Endes dieser Welt verschwand, begann sich in der Ferne ihr früheres Haus langsam umzuschauen. Es drehte sich zu dem Horizont, dem eine immer kleiner werdende Figur entgegenrannte. Es sah ihr nach. Als Schasa im Streifen des gelb violetten Lichts verschwunden war, verging ein kurzer Augenblick. Ein krachendes Geräusch war zu hören. Ein Rohr platzte. Dann stürzte das Haus ein. Die Horde der Stiere verschwand mit ihm. Noch Jahre später erzählte man in dem Dorf von dem Haus, in dem eine weiße Gestalt hinter den Fenstern in einem Lichtkreis gesessen und gewartet hatte. Ein Bewohner, der das Haus einstürzen sehen hatte, erzählte noch bis zu seinem Lebensende mit einem Grinsen von Schasa. „Die hatte nichts geschafft. Die war das Allerletzte.“






IV Vertrauen und Sicherheit



ein Licht in China


Schasa lief tagelang den Weg entlang. Sie stieg auf verlassene Bergregionen, in denen ihr die Winde durch die Kleider wehten. Weite Talebenen erstreckten sich zwischen ihnen. Rot und gelb blühende Bäume sah sie in einer sanften Atmosphäre. Ein Gefühl der Erdung breitete sich in ihr aus. Nie zuvor hatten Menschen diese Orte besucht. Zwei Jahre trugen sie ihre Beine voran, bis die Erschöpfung sie einnahm, als eines Abends die Dunkelheit eintrat. Während der Nacht legte sie sich unter offenem Sternenhimmel nieder. Dann schaute sie in den Himmel. Eine Decke voller Sterne erstreckte sich über ihr. Mit ihr fühlte sie sich nicht allein. Sie zog ihr linkes Bein an, während sie den Oberkörper verdrehte, bis sich ihr Brustkorb zu den Sternen richtete. Ihren rechten Arm streckte sie über den Kopf. Als der Schlaf sie einnahm, war ihr Blick auf die Sterne gerichtet. Die scheinbare Stille der Nacht hielt für einige Momente an. Dann begann der Himmel über sie zu sprechen. Zuerst sprach der Morgenstern zu den Sternen außerhalb des ersten Diamantens: „Glaubt ihr, dass sie es schaffen wird?“ Die Sterne im zweiten Diamanten antworteten ihm: „Wir wissen es nicht. Du musst das schwarze Loch fragen, wenn du eine Antwort haben willst.“ Der Morgenstern wandte sein Gesicht zum schwarzen Loch. „Glaubst du, dass sie es schaffen wird?“ Aus dem schwarzen Loch antwortete es: „Sie muss ES überwinden. Wenn sie es bis zu ihrem inneren Stern geschafft hat, dann wird sie arisch. Sie muss immer weitergehen. Irgendwann wird sie aus sich heraustreten. Dann wird sie zu fliegen beginnen. Sie wird fliegen, bis sie bei dem Ort angekommen sein wird, aus dem sie herkommt. Dort liegt der Ursprung von ES. Sie muss bis dorthin steigen.“ Der Morgenstern wurde bekümmert. Er schaute auf seine menschliche Repräsentation, die in steigender Position in einem Tal rot gelber Bäume auf dem Planeten Erde schlief. Hilfe suchend, wandte er sich, bevor die Nacht verging, noch einmal zu den Sternen des zweiten Diamantens. „Könnt ihr ihr helfen?“ Sie antworteten mit warmen Stimmen: „Wir wissen nicht, wie weit ihr Weg noch sein wird. Wir schicken ihr Unterstützung.“ Einen sanften Hauch sandten sie zum ersten Diamanten. Dort flog er bis zu den Grenzen des Sonnensystems. Er streifte die Planeten. Das Glück des Jupiters und den Willen des Mars berührend, kam er auf der Erde an. Während Schasa schlief, wehte ihr ein Hauch in das Gesicht. Sie erwachte mit dem ersten Morgenlicht. Ihr Blick fiel auf den Himmel. Wolken durchzogen ihn. Sie spürte einen starken Willen weiterzugehen. Schnell stand sie auf um in Richtung des nächsten Horizonts zu laufen. Um sie herum lagen Täler, die in roter Farbe blühten. Sie waren in Licht getränkt, dessen Ursprung sich über den Wolken befand. Nach einigen Stunden gelangte sie zu einem Dorf. In seinem Zentrum stand ein Baum. Er war eine hoch gewachsene Eiche. Ihre Äste erreichten fast die Grenzen der Atmosphäre. Ihr Stamm hatte unzählbar viele Ringe. Die Wurzeln wuchsen bis zum anderen Ende der Welt. Seine Umrisse schimmerten im Morgennebel. In ihrer Nähe kniete ein kleiner Junge. Er hatte langes blondes Haar, das ihm bis zu den Waden reichte. Ein weißes Gewand deckte seinen gesamten Körper ab. Eine Kerze in der Hand haltend, blickte er zum Baum. Monoton schwebte ein ruhiger Klang über dem Ereignis. Schasa näherte sich dem Jungen. Sie beobachtete, wie er sein Licht in den Händen bewegte. Sie setzte sich neben ihn. „Wer bist du?“ fragte sie. Bei ihren Worten schaute er auf. Er blickte ihr freundlich in die Augen. „Ich heiße Schamong. Ich bin das Lichtkind Gottes.“ Schasa sah ihn neugierig an, als sie fragte: „Was ist dein Leben?“ Er lächelte mystisch und weich. „Ich trage Vertrauen in mir, dass mein Vater immer auf mich Acht geben wird. Ich trage Vertrauen in mir, dass ich immer geborgen sein werde in den Armen meiner Mutter. Ich trage Vertrauen in mir, dass ich immer aufgenommen sein werde bei meiner Familie.“ Nach einigen Momenten des Schweigens sagte sie: „Lass mich dir eine letzte Frage stellen.“ Er lächelte zustimmend. „Was ist deine Bestimmung?“ Während er wieder auf seine Kerze in der Hand sah, antwortete er: „Ich werde der Urvater. Ich werde ein Haus bauen, in dem ich mich in einer Gemeinschaft erden werde.“ Schasa hörte nicht auf ihm in die Augen zu sehen. Er nahm einen Teil des Lichts seiner Kerze. Es Schasa in die Hand gebend, lächelte er. Sie befestigte es vor ihrem Herzen. Dann sah sie auf zur Krone des Baums. Von der Wurzel bis zu den höchsten Zweigen, die im Himmel verschwanden, war es noch ein weiter Weg. Sie ahnte eine lange Reise mit vielen Herausforderungen, die ihr bevorstanden.



Schamong das Lichtkind in der Basis



V unendlicher Aufstieg und Zeitempfinden



ein Blatt in einem Land am Meer


Einige Zeit verbrachte Schasa mit Schamong, wobei sie in die Lichter der Kerzen vor sich sahen. Sie fühlte, dass sie weiterzugehen hatte. Bevor sie sich verabschiedete, lächelte sie ihm dankend zu. Als sie dem nächsten Horizont entgegensah, erschien ihr im Himmel erneut der mystische Blick, der ihr an der Weggabelung begegnet war. Seine Augen öffneten sich in den Wolken. Sie ruhten auf ihr, wobei sie ihr direkt in die Seele sahen. Dabei fühlte sie die innere Führung, die von seiner geistigen Gegenwart ausging. Seine Pupillen musterten sie. „Folge dem Weg.“ konnte sie als Botschaft in ihnen erkennen. Der Blick wanderte zu einem Weg, bei dem kein Ende abzusehen war. Dann verschwand er wieder. Sie lief von Morgens bis Abends, bis ihre dünnen Beine sie nicht mehr tragen wollten. Als die Dunkelheit aufkam, nahm sie die Erschöpfung ein. Sie legte sich wieder unter der offenen Sternendecke nieder. Ihr linkes Bein anziehend, verdrehte sie ihren Oberkörper, sodass sich ihr Brustkorb den Sternen zuwandte. Bevor der Schlaf sie einnahm, ruhte ihr letzter Blick auf dem Morgenstern. Einige Momente vergingen. Dann begann der Himmel leise über Schasa zu sprechen. Zuerst erhob der Morgenstern das Wort. Er richtete sich an den Pferdekopfnebel. „Ist es noch weit?“ Der Perdekopfnebel antwortete mit zärtlicher Stimme: „Sie muss immer weitergehen. Sie muss bei dem Ort im Kosmos ankommen, aus dem sie herkommt. Dort findet sie den Ursprung von ES. Sie muss sich damit unterhalten.“ Der Morgenstern bekam ein sorgenvolles Gesicht. Er wandte sich an die Sterne aus dem zweiten Diamanten. „Wird sie es schaffen? Wird sie ankommen bei sich?“ Die Sterne des höheren Diamantens beobachteten Schasa prüfend. „Wir wissen nicht, wie weit es noch ist.“ antworteten sie. Bevor das erste Morgenlicht das Ende der Nacht ankündigte, sprachen sie in Schasas Träumen zu ihr. „Wir sind stolz auf dich. Wir glauben an dich Schasa. Mit uns wirst du ankommen.“ Sie erwachte mit dem ersten Licht des Tages. Während der Nacht hatte sie den Eindruck gehabt sich mit Sternen und einem rosanen Plüschkissen unterhalten zu haben. Einen orange rosanen Horizont vor sich sehend, empfand sie neuen Willen weiterzugehen. Vier Jahre vergingen, in denen sie durch die Natur lief und ihrer inneren Führung folgte. Die Natur wandelte sich stetig. Die Luft wurde salzig und warm. Vereinzelt fand sich Sand auf der Erde. Eines Tages kam sie an einem Meer an. Auf einem Felsen stehend, sah sie auf es herab. Die Wellen waren ruhig. Bei ihrem Anblick wollte sie eine Rast machen. In der Nähe des Wassers sah sie eine Frau stehen. Sie war unbekleidet und wildes, bis zu den Waden reichendes Haar fiel an ihr herab. In tiefer Versunkenheit richtete sie ihren Blick konzentriert auf einen Punkt im Meer. Dabei bewegte sie ihre Taille in kreisartig fließenden Bewegungen, die nach einer Weile zu einem rhythmischen, meditativen Tanz wurden. Kraft und Imagination paarten sich darin. Sie schien in einer Trance zu verharren. Ihre Augen waren konstant auf den Punkt im Meer gerichtet. Es wurde aufmerksam, als es spürte, dass die Frau mit ihm in eine Kommunikation trat. Während der folgenden Ereignisse löste sich das menschliche Verständnis für Zeit auf. Die Zeit dehnte sich aus und Momente, innerhalb derer Tage in der Zeit der Menschen vergangen wären, waren vereinzelt wahrnehmbar. Das Meer begann aufzubrausen und zu stürmen. Die Frau verstärkte ihre Konzentration auf die Wellen. Die Kreise ihrer Bewegungen verursachten, dass die Wellen den Strand einzunehmen begannen. Sie schrie in tanzender Trance zum Meer: „Ich bin Bene. Ich bin die Iniziatorin. Ich rufe dich. Ein neues Blatt der Unendlichkeit soll durch uns im zyklischen Akt entstehen.“ Als sie zu schreien geendet hatte, öffnete sich in ihrem Geist der Himmel über den Ereignissen. Schasa erlebte als Zuschauer die Ereignisse im Kopf von Bene mit. Sie drang in deren Geist ein. Sterne und Galaxien eröffneten sich vor ihrem geistigen Fenster. In einem tranceartigen Zustand stieg sie zum Blatt der Unendlichkeit mit auf, das ihr alle Geheimnisse des ersten Diamanten auf einen Blick enthüllte. Im Wirbel der kosmischen Ereignisse sah sie, wie Bene mit kreisenden Bewegungen tanzend zum Himmel stieg. Bene begann durch die Unendlichkeit des Kosmoses zu fliegen. Das Meer antwortete ihrer Kommunikation, indem auch seine Wellen sich mit Gewalt zum Kosmos hervorhoben, bis sie die Grenzen der Atmosphäre erreichten. Als das Meer den Anfang des unendlichen Kosmoses erreichte, traf es sich mit Bene im Blatt der Unendlichkeit wieder. Der unendliche Aufstieg ließ alle Teilhabenden die Geheimnisse des Kosmoses in wenigen Momenten sehen. Am Ende des ersten Diamanten nahm das Meer die Iniziatorin Bene gewaltvoll ein. Sie starb. Mit ihrem Tod entstand ein neues Blatt. Jahre schienen vergangen zu sein, als sich der Himmel über den Ereignissen wieder verschloss. Schasa kam in ihrem Geist wieder am Strand vor dem Meer an. Es hatte sich beruhigt. Bene war unschuldig im Himmel geblieben. Eine Weile blieb Schasa regungslos stehen. Dann schaute sie erneut zum Himmel. Aus weiter Ferne kam langsam ein Gegenstand auf sie zugeflogen. Als er sich ihr näherte, erkannte sie ein Blatt in ihm. Es flog in langsamen Schwingungen zur Erde. Sie hob ihren Arm und sie nahm den orangenen Gegenstand in die Hand. Neben dem Licht von Schamong befestigte sie es vor ihrem Herzen. Sie ging weiter.



Bene die Iniziatorin in der Taille



VI Größe und Anerkennung



eine Sonne in Afrika


Sie verließ das Meer, in Richtung der Sonne gehend. Ein warmer Wind umgab sie. Nach einigen Tagen gelangte sie zu einer Wüste, an deren Ende sich die Quelle des Sonnenlichts ankündigte. Die Erschöpfung ließ sie beim Laufen langsamer werden. Bis zum Abend trugen ihre Beine sie. Als die Nacht anbrach, legte sie sich am Rand der Wüste nieder. In dem Moment, in dem sie ihren Brustkorb zum Himmel drehte und ihr Blick auf den Morgenstern fiel, schlief sie ein. Der Himmel, der sich während des Tages als still verstellte, erwachte wieder und er begann zu sprechen. Der Tierkreis meldete sich beim Morgenstern: „Ich werde ihr Kraft schicken. Ohne diese kann sie nicht weitergehen.“ Der Morgenstern entgegnete ihm mit einem zielstrebigen Gesichtsausdruck: „Sie muss immer weitergehen. Immer weiter muss sie gehen. Sonst wird sie niemals bei ES ankommen.“ Der Tierkreis sandte einen Teil seiner Kraft zur Erde herab. Mit dem ersten Strahl der Sonne erwachte Schasa. Sie hatte das Gefühl im Schlaf die Kraft erworben zu haben, die sie zum Weitergehen brauchte. Sie ging dem Licht der steigenden Sonne entgegen. Sieben Jahre vergingen, während derer sie sich dem Sitz der Sonne auf der Erde näherte. Jeden Tag war sie mehr geblendet. Sich die Hände vor die Augen haltend, gab sie nicht auf weiterzugehen. Eines Tages sah sie kleine Punkte in der Ferne, die sich in Richtung des Lichts bewegten. Beim näheren Betrachten entpuppten sie sich als Menschen. Sie gingen alle auf einen sandigen Berg zu, der sich im Zentrum des Geschehens befand. Er war erfüllt von Menschen, die mit magnetischen und elektrifizierten Blicken zu seinem Gipfel kletterten. Auf seiner Spitze stand die Repräsentation der Sonne. Es war ein Mann mit einer Krone auf dem Kopf, der auf einem Thron saß. Er war der Ursprung des Lichts, das er auf die Wüste um sich warf. Sein Blick war in die Ferne gerichtet, wobei er mit machtvoller Stimme zu den Menschen sprach, die mit Bewunderung vor ihm in die Knie gingen. Der König sprach zu seinem Volk. „Hört den Worten einer aufkommenden Gerechtigkeit! Ich bin die Sonne der Menschen. Ich sitze auf dem Berg des Ruhmes. Mit Furcht verneigt ihr euch vor mir, denn ich bin der Herrscher dieser Welt. Wer mir widerstrebt, der wird entnommen seines Rechts auf Leben. Er wird geworfen in die Täler, in die kein helfender Arm reicht und aus denen kein Gebet herausdringt. Mein Licht wird strahlen so lange, wie ihr euch vor dem Willen des Königs beugt. Die Spitze dieses Berges ist erst der Anfang meiner Macht. Ich werde dringen in alle Reiche dieser Erde und des Himmels. Alle Welten werden leben unter meiner Herrschaft. Nicht ehe der Tag des Ruhmes über alle Reiche anbricht, werde ich zur Ruhe kommen. Eure Kraft soll meiner Macht gewidmet sein. Es spricht die Quelle des Lichts, der jeder Mensch bedarf.“ Mit triumphalem Ausdruck richtete er seinen Finger zum Himmel, über den er bald regieren würde. Die Menschen hörten seiner Rede mit Ehrfurcht zu. Schasa, die das Szenario gebannt beobachtet hatte, stieg auf den Berg zum blendenden Thron. Sie sah dem König direkt in die Augen. Überrascht sah er sie an. „Was ist dein Ersuchen?“ rief er mit harter, herrschender Stimme. Sie schrie zum Licht: „König Heròs, deine Rede war erleuchtend. Lass mich erfahren, was deine wahre Bestimmung ist. Ist es allein die Macht, nach der du strebst?“ Der König musterte sie. Sie sah ihm direkt in die Augen. Mit gesenkter Stimme sagte er: „Ich will anerkannt und geliebt werden.“ Für einen kurzen Moment konnte Schasa durch das Licht hindurch einen Schatten der Ernsthaftigkeit und Trauer über sein Gesicht fliegen sehen. Als der Schatten verschwand, sah sie wieder in das Gesicht eines Heroen, dessen Größe und Stärke alle Reiche dieser Welt einnehmen würde. Ihr selbstbewusstes Auftreten war seiner Aufmerksamkeit nicht entgangen. Es veranlasste ihn zu ihr aufzusehen. Er nahm eine goldene Sonne, die an seiner Krone befestigt war. Mit einem anerkennenden Blick gab er sie ihr in die Hand. „Mit ihr wirst du Größe erlangen.“ Sie nahm das Geschenk und sie befestigte es vor ihrem Herzen. Der König und die junge Frau sahen einander mit Sympathie an. Dann ging sie weiter.



Heros der König im Zentrum



VII Empathie und Toleranz



ein Stern in der Mitte Italiens


Als sie am Ende der Wüste angelangte, weilte sie in Gedanken noch bei König Heròs. Seine letzten Worte hallten in ihr nach. Die Erschöpfung vom jahrelangen Laufen überkam sie, als die Sonne dem Horizont näherkam. Bis zum Abend wollte sie weitergehen, aber die Grenzen ihres Körpers hielten sie auf. Schmerz breitete sich in ihren Gelenken aus. Sie begann zu weinen, weil sie glaubte, dass das unbekannte Ziel in der Zukunft niemals zu erreichen wäre. Vor Entkräftung fiel sie zu Boden. Der Schlaf nahm sie sofort ein. Über den Ereignissen erwachte der Himmel. Die Sterne des zweiten Diamanten beobachteten sie besorgt. „Gib nicht auf. Wir sind stolz auf dich Schasa.“ riefen sie. Der Morgenstern hörte ihre Stimmen. Er wandte ihnen sein Gesicht zu, wobei er sagte: „Ihr müsst euch jetzt mit mir verbinden. Nur wenn wir zusammenarbeiten, kann sie zum Bewusstsein und den höheren Welten vordringen. Ihr müsst sie arisch machen.“ Die Sterne des zweiten Diamanten antworteten ihm: „Wir schicken ihr eine echte Unterstützung.“ Vom zweiten Diamanten aus fixierten sie den Planeten Erde. Sie beobachteten Schasa. Dann sendeten sie ihre Unterstützung. Als sie auf der Erde ankamen, öffneten sie ihr im Schlaf den Oberkörper. Ein weißes, reines Kind fanden sie darin. Es war von vollkommener Schönheit. Weinend schrie es mit einer hohen Stimme, deren Klang von einem unbekannten Diamanten zu kommen schien. Viele Verletzungen trug es an seinem Körper. Sie schauten das Kind in Schasas Innern mit Empathie für seinen Schmerz an. Als es die Empathie der Sterne des zweiten Diamanten spürte, linderte sich der Schmerz in ihm. Es wurde still, wobei es die Anwesenden mit sanfter Unschuld und dem Vertrauen, dass sie ihm nur Gutes tun würden, ansah. Die Sterne begannen alle Verletzungen, die das Kind an sich trug, zu heilen. Während sie eine Wunde nach der nächsten löschten, schrie das Kind jedes Mal vor Schmerz auf. Nach der Heilung der letzten Wunde lag es mit dem Ausdruck eines Aliens im Gesicht in Schasas Innern. Es faltete friedvoll die Hände vor seinem Herzen zusammen. Nachdem die Sterne die Wunden an Schasas Seele geheilt hatten, begannen sie auch ihren Körper, der vom Laufen der vergangenen Jahre geschunden war, zu heilen. Sie behandelten ihre Hüftgelenke und ihre Knie. Auch die Knöchel heilten sie. Schasa schlief ruhig weiter. Im Schlaf flüsterten sie ihr zu, welche Handlungen sie taten. Sie nahmen sich kleine Hammer und Nägel und sie befestigten Teile des Kosmoses in einem grünen, sanften Band hinter ihrer Brust. Sie vergrößerten das Paradies in ihr. Als sie ihr Werk vollendet hatten, sprachen sie ihr im Traum Worte zu. „Wir geben dir eine Belohnung für alles, was du bisher geschafft hast. Niemand braucht zu wissen, was du geschafft hast. Du brauchst es niemandem zu sagen. Wir werden später mit dir sprechen. Jetzt musst du erst einmal weitergehen.“ Bevor sie Schasas Oberkörper wieder schlossen, flüsterten sie: „Bitte sprich nicht über uns. Wenn du über uns sprichst, dann sprechen wir nicht mehr mit dir.“ Sie flogen wieder zurück zum zweiten Diamanten. Ein grüner Schimmer umgab sie noch, als sie wieder ankamen. Bevor die Nacht vorüber war, schaute der Himmel auf Schasa. Im Schlaf hatte sie das Gefühl, dass Sterne aus einer anderen Dimension zu ihr gekommen waren und sie von ihren Verletzungen geheilt hatten. Sie hatten ihr Worte der Liebe und Empathie zugeflüstert. Als sie aufwachte, bemerkte sie ein Gefühl der Tiefe und Wärme in ihrer Brust. Sie glaubte viel tiefer als zuvor atmen zu können. Das Empfinden der Gleichwertigkeit aller Lebewesen sowie der Empathie für sie breitete sich hinter ihrem Herzen aus. Sie sah zum Himmel. Für einen kurzen Moment hatte sie den Eindruck, dass ein grüner Schimmer in ihm verschwand. Sie nahm sich vor die Geheimnisse der Nacht für sich zu behalten. Niemand sollte von ihnen erfahren. Die Hitze der Wüste des gestrigen Tages war nicht mehr zu spüren. Anstatt dessen wehte eine kühle Brise, die ihre Kleider durchstreifte. Als sie zu laufen begann, bemerkte sie, dass der Schmerz der vergangenen Jahre in ihren Gliedmaßen verschwunden war. Sie kam an einer Wiese an, die erfüllt war von Blumen in den Harmonien der Farben grün und violett. In die Wolken sehend, zeigte sich ihre innere Führung in der Nähe des Horizonts. Sein mystischer Blick teilte ihr mit, dass sie sich auf dem richtigen Weg befand. Aus seinen Augen sprachen die Worte: „Du musst deinem Stern folgen. Er zeigt dir den richtigen Weg. Folg mir.“ Der Blick verschwand. Schasa lief weiter über die Wiese. Neun Jahre war sie unterwegs. Häufig legte sie Pausen ein, da das Gefühl der Tiefe in ihrer Brust sie bei körperlicher Belastung schnell zur Erschöpfung brachte. Eines Tages kam sie bei einem steinigen Felsen an. Auf ihm stand eine Frau. Sie war beschäftigt auf einem Blatt Papier zu schreiben. Aus einer achtungsvollen Entfernung beobachtete Schasa sie beim Schreiben. Sie hatte eine anmutende Erscheinung. Innere Schönheit machte ihre Augen aus. Mit einem vor Stolz hervorgestreckten Brustkorb erinnerte sie Schasa an eine Dame der höheren Aristokratie. Als sie genauer hinsah, erkannte sie in ihren Zügen männliche Gesichtsmerkmale. Ihre Wangen und ihr Kinn standen weit hervor. Ihr Haar war ungeordnet und es fiel ihr attraktiv bis zu den Waden. Einen Anzug tragend, der weit und veraltet war, hatte Schasa den Eindruck, dass sie ihre Weiblichkeit versteckte. Jedes Mal, wenn die Frau ihren Stift ablegte, streckte sie stolz ihre Brust hervor. Dabei drückte sie ihre Schulterblätter zurück. Schasa näherte sich ihr ein wenig mehr, sodass sie in ihr Blickfeld gelangte. Dann schaute sie ihr direkt in die Augen, wobei sie sich verbeugte. Die Frau sah auf. Nach einigen Sekunden des Blickkontakts begann sie von innen heraus subtil aristokratisch zu lächeln. Sie antwortete nicht. Schasa begann in einer achtungsvoll gebeugten Haltung bei direktem Augenkontakt zu sprechen: „Meine Dame, darf ich erfahren, wer Sie sind?“ Die Frau ließ eine erhabene Pause eintreten. Dann antwortete sie: „Mein Name ist Palòné. Ich bin Künstlerin. Ich komme aus einem Stern, der einer anderen Galaxie entspringt.“ Schasa meinte: „Was meinen Sie, wenn Sie von einer anderen Galaxie sprechen?“ Sie antwortete: „Die Sonne, die ich in mir trage, ist eine Sonne aus einer anderen Galaxie, von der ich gekommen bin um mein Leben in dieser Galaxie auf der Erde zu führen. Von der Erde aus betrachtet ist diese Sonne im Himmel ein kleiner Stern.“ Ihre Stimme war erfüllt von Obertönen. Schasa spürte unmittelbar die hohe Intelligenz und Wahrheit, die in ihrer Antwort lagen. Sie nickte ihr achtungsvoll zu. Dann begann sie wieder zu sprechen. „Palòné, ich möchte Ihnen eine Frage stellen.“ Sie lächelte Schasa mit dem Lächeln eines Freimaurers an. Ihr inneres Wesen war in einer Schutzhaltung zurückgezogen. Als sie Schasa direkt in die Augen sah, konnte sie deren gutes Wesen erkennen. Sie begann Vertrauen zu schöpfen. „Was ist Euer Leben?“ fragte Schasa. Palòné schloss ihre Augen, wobei sie nach einer Antwort in ihrem Herzen suchte. Sie sagte: „In meinem Herzen höre ich eine Stimme. Ich gebe sie in Gedichten wieder. Ich forme sie in Schriften um, die ich an andere Menschen schenke. All meine Gedichte schenkte ich bisher an die Menschen dieser Welt. Da ich jedoch in meinem Denken meiner Zeit voraus bin, wurde ich in den Botschaften, die ich vermitteln wollte, bisher nicht verstanden.“ Sie spürte bei diesen Worten Wärme in sich aufkommen. Sie weinte eine Träne für Palòné, die weitersprach: „Eines Tages schaute ich in den Himmel und ich sah einen Stern, der meinem Stern gleichkam. Es war ein Stern, der von Schönheit geprägt war. Er war anders als alle anderen Sterne. Die Grenzenlosigkeit, mit der er im Himmelszelt seinen Weg suchte, weckte Vertrauen in mir, dass ich eines Tages diesem Stern auch auf der Erde begegnen würde.“ Palòné sah ihr in die Augen, wobei sie weitersprach: „Ich begann Gedichte über ihn zu schreiben. Worte über seine Einzigartigkeit widmete ich ihm.“ Schasa bemerkte die Schwäche, die sich bei diesen Worten in ihr bemerkbar machte. Sie traute sich nicht zu sprechen. Palòné, die all ihr Vertrauen in ihre aufrichtige Art darzustellen geschöpft hatte, sprach weiter. „Meine Gedichte verschenkte ich an Menschen. Sie hatten jedoch nicht den Horizont um die Dimensionen ihrer Inhalte zu erfassen. Daher erhielt ich Missgunst und man belächelte mich. Ich begann meinen Stern zu verschließen und ich fasste den Entschluss ihn nur dann zu öffnen, wenn mein Vertrauen wieder geweckt werden würde.“ Sie bemerkte, dass eine Träne an Palònés Wange hinunterlief. Empathie machte sich in ihrer Brust bemerkbar. In Palònés Blick war zu erkennen, dass sie sich von ihr verstanden fühlte. Ihre Verletzung heilte durch das Mitgefühl von Schasa, die fragte: „Was ist deine Bestimmung?“ Sie ging in sich. „Ich will Gott finden. Er soll mein Freund sein. Ein Leben und darüber hinaus will ich die kosmische Vereinigung mit ihm erfahren. Ich suche den kosmischen Ausgleich mit ihm. Ich weiß, dass er ein Stern ist. Die Stimme meines Herzens wird mich ihn im Kosmos finden lassen.“ Schasa war sprachlos über die Tiefe, mit der sie diese Worte sagte. Sie sahen einander für eine lange Zeit freundschaftlich in die Augen. Sie wollten einander nicht verlassen. Daher fassten sie den Entschluss, den weiteren Weg nur in gemeinsamer Begleitung zu verbringen. Sie versprachen einander: „Zu jeder Zeit, in der du Schwäche in dir verspürst und Verlangen in deiner Brust nach mir empfindest, treffen wir uns im Diamanten wieder.“ Harmonie breitete sich zwischen ihnen aus. Palòné hatte das Bedürfnis ihr zu geben. Sie schnitt einen Teil aus ihrer Brust, den sie ihr als Geschenk überreichte. Beim Anblick des Geschenks sah Schasa sie bescheiden an. Demut war in ihrer Haltung zu erkennen. Eine lange Pause trat ein, bis sie sagte: „Du darfst mir nicht zu viel schenken.“ Palòné erwiderte: „Ich gebe es dir, weil ich spüre, dass dein inneres Wesen gut ist. Du trägst viel Schönheit in dir. Dafür gebe ich dir ein Geschenk.“ Schasa bedankte sich mit Würde. Mit einem Blick, der eine geschlossene Freundschaft im ersten Diamanten versprach, verließ sie den Felsen auf der Wiese. Sie gingen den Weg gemeinsam weiter.



Palòné die Künstlerin im Stern



VIII Glaube und Spiritualität



eine Suche nach Wahrheit in Deutschland


Schasa nahm eine Veränderung in sich wahr, seitdem sie den Felsen verlassen hatte. Jedes Mal, wenn sie an Palòné dachte, bemerkte sie das Empfinden von Schwäche hinter ihrem Herzen. Sie hatte dann das Bedürfnis mit ihr zu sprechen. Oft sah sie zum Himmel und sie sprach dem Stern, der den Namen Palòné trug, entgegen. Sie unterhielten sich miteinander, sodass sich ihre Freundschaft mit dem Verlauf der Jahre festigte. Wenn Schasa sich während der Nächte niederlegte und mit einem letzten Blick auf dem Morgenstern einzuschlafen begann, erwachte der scheinbar stille Sternenhimmel und er begann über sie zu sprechen. Während einer Nacht, die kurz nach der Begegnung mit Palòné folgte, richtete sich der Morgenstern an Schasa. Seitdem die Sterne des zweiten Diamanten sie geheilt hatten, konnte sie ihn und die anderen Inhalte des Kosmoses während der Nächte bei halbem Bewusstsein mit ihr sprechen hören. Er sagte: „Du musst immer weiter gehen Schasa. Immer höher musst du steigen. Du musst ankommen.“ Die gesamte Milchgalaxie hörte seine Worte. Sie sprach mit einer Stimme, die alle Inhalte ihres Systems einschloss: „Wenn du es schaffst am Ende deines Weges anzukommen, dann wirst du zur Vollkommenheit werden.“ Die Sterne des zweiten Diamanten meldeten sich. „Über das Paradies in dir kannst du mit uns sprechen. Wir werden dir helfen. Du darfst deinen Stern nicht mehr verschließen. Andernfalls wirst du auf deinem Weg zurückfallen. Du musst vorsichtig sein. Dein Weg ist noch weit.“ Bevor Schasa erwachte, tat der Himmel wieder, als wäre er stumm. Am frühen Morgen stand sie auf. Die Kraft ihres geistigen Willens trug sie voran. Sieben Jahre vergingen, in denen Schasa lief ohne jemandem zu begegnen. Sie machte viele Pausen, weil ihre dünnen Beine nach Erholung verlangten. Während der Pausen und beim Laufen dachte sie nach. Die Fragen, die sie sich zu Beginn ihrer Reise gestellt hatte, waren noch immer mit Fragezeichen besetzt. Ihre Antwort zu finden trieb sie voran. Sie wollte wissen, was ihre Bestimmung war. Die Neugierde gab ihr Kraft um weiterzugehen. Die Natur nahm einen langsamen Wandel. Eine herbstliche Stimmung zog auf. Einige Sträucher und Bäume waren vereinzelt zu sehen. Sie mehrten sich, je länger sie lief. In der Ferne konnte sie ein Gebäude sehen, dass sich bei näherer Betrachtung als ein Gotteshaus herausstellte. Nahe des Gebäudes lief ein Mann allein. Er hielt einen langen Stock in der Hand, den er zum Gehen verwendete. Mit großen Schritten ging er in Richtung des Waldes, der sich am Horizont ankündigte. Er war tief in Gedanken versunken, während sein Blick in sich gerichtet in die Ferne schweifte. Er hatte Locken und nachdenkliche Gesichtszüge, in denen die Erfahrung des Alters zu erkennen war. Schasa machte eine Bewegung. Er bemerkte sie und er ging auf sie zu. Als sie sich einander gegenüberstanden, begann er zu sprechen. „Ich begrüße dich. Mein Name ist Freseia. Ich bin ein Gläubiger.“ Schasa reichte ihm freundlich die Hand. Dann sagte sie: „Ich heiße Schasa. Ich befinde mich auf der Suche nach der Bestimmung des Lebens.“ Freseia betrachtete sie mit dem Gesichtsausdruck eines Gelehrten, der eine unbekannte Erfahrung in ein bekanntes Kategorienschema einzuordnen versucht. Eine lange, gedankenerfüllte Pause machte er. Er beendete sie mit den Worten: „Lass uns einander kennenlernen. Du bist eine unbekannte Erfahrung für mich. Ich möchte durch dich dazulernen.“ Schasa fragte neugierig: „Sagtest du, dass du ein Gläubiger bist? Lass mich erfahren, worin dein Glaube besteht. Wie bist du zu ihm gelangt?“ Er kehrte geistig in sich. Seine Züge bekamen einen konzentrierten Gesichtsausdruck. Seine Antwort lautete: „Vor vielen Jahren führte mich die Neugierde nach Erkenntnis und spirituellen Wahrheiten auf eine Pilgerschaft. Als ich die ersten Schritte vor die Tür setzte, war ich nicht gläubig gewesen. In meinen jugendlichen Jahren wäre es zu früh gewesen um wahren Glauben entwickelt haben zu können. Durch die Pilgerschaft reifte ich innerlich zum Glauben. Den inneren Reifeprozess, den ein vierzigjähriger Mensch macht, erfuhr ich im Alter eines jungen Erwachsenen. Ich begann ein Gefühl der Sicherheit zu erlangen, als ich in schweren Zeiten meiner Pilgerschaften eine Bestätigung von Gott erhielt. Er schickte mir Kraft, Licht und Unterstützung. Die Erfahrungen, die ich sammelte, stärkten auch meinen Glauben an das Gute im Menschen. Mein spirituelles Interesse stieg, je länger ich während des Laufens über die großen Fragen der Philosophie nachdachte. Mit dem Verlauf der Zeit begann ich meine eigene Philosophie zu finden. Sie schloss die Menschen, Gott und den Kosmos ein. Für den gefundenen Glauben erhielt ich Bestätigungen. Durch sie wurde ich der Gottesgläubigste Mensch auf der Welt.“ Er wurde still. Trotz seines relativ jungen Alters lächelte er mit den Augen eines alten Weisen. Eine lange Pause trat ein. Die Lasten und Freuden der Erfahrungen seiner Vergangenheit waren in seiner Körperhaltung zu erkennen. Er war versunken in Gedanken, die er mit niemandem teilte. Dann sprach er: „Während meiner ersten Pilgerschaft stellte ich mir Fragen über Werte, Leben und Sinn. Ich dachte nach über Wahrheit, Moral und Gerechtigkeit. Den Glauben an Gott in mir tragend, erschloss ich mir die Welt. Ich fand Antworten, die meinen Durst nach Erfahrung und Wissen stärkten.“ Schasa, die interessiert zugehört hatte, fragte: „Welchen Glauben hast du aus deinen Pilgerschaften gewonnen?“ Er war erfreut über ihre Fragen. „Als ich nach neun Jahren meine neunte Pilgerschaft begann, öffnete sich der Himmel über mir. Ein Licht trat hervor und ich hörte seine Worte: „Heilig sollst du sein.“ Die Sonne lachte über mir. Ein Licht setzte sich in meinen Kopf, bei dem ich spürte, dass es mir den Geist Gottes öffnete. Als ich von dieser Reise zurückkehrte, wurde mir ein gutes Leben geschenkt. Ich gewann Freunde und Anerkennung, wann immer ich von meinen Erfahrungen berichtete. Nie wieder ging es mir in meinem Leben schlecht. Mein Glaube in Gott wurde unberührbar. Er befasste sich mit Gerechtigkeit.“ Allein durch die Überzeugung, mit der er die letzten Worte sprach, wurde ihr Glaube gestärkt. Sie fragte ihn: „Würdest du mir verraten, was deine innere Bestimmung ist?“ Seine wissenden Augen übertrugen seine Gedanken auf sie. „Ich werde für Gerechtigkeit kämpfen.“ Ihre Anerkennung für ihn wuchs. In ihrem Kopf entstand eine weitere Frage, die in ihm wahrnehmbar wurde. „Glaubst du, dass ein gerechtes Leben nur eintritt, wann man zuvor Leistung vollbracht hat und gepilgert ist, wie du es getan hast?“ Die Antwort lautete: „Wenn du ein gutes Wesen hast und stetig aufrichtig freundlich mit anderen Menschen umgehst und wenn das Gute, das du in dir trägst, auch für andere Menschen spürbar ist, dann ist dir ein gutes und gerechtes Leben gegeben.“ Sie sah Freseia voller Freude über seine weisen Worte in die Augen. Er nahm von einer Kette, die er vor seinem Herzen trug, ein Symbol, auf dem eine Waage abgebildet war. Er gab sie ihr mit dem Blick eines Gläubigen in die Hand. Sie fühlte das Bedürfnis ihm etwas zurückzugeben. Da sie jedoch keine Wertobjekte bei sich trug, gab sie ihm einen Tanz mit auf den Weg. Es war Schasas Tanz der Gerechtigkeit. Sie verabschiedete sie sich von ihm mit den Worten: „Ich hoffe, dass ich auch irgendwann an Gerechtigkeit glauben werde.“



Freseia der Gläubige im Bewusstsein



IX Transformation zwischen Welten und Genialität



ein Spion in der Schweiz


Schasa lief in Richtung des Waldes, der eine winterliche Atmosphäre ankündigte. Sie spürte einen kühlen Wind durch ihr Haar und ihre Kleider wehen. Eine erste Schneeflocke fiel auf ihre linke Schulter. Als sie weiterging, begann der Schnee die Erde zu bedecken. Bevor sie den Wald ganz betrat, wurde es dunkel. Sie entschied über Nacht am Rand des Waldes unter dem offenen Sternenhimmel zu übernachten. Als sie sich setzte und zu den Bäumen in der Nähe sah, hatte sie die Wahrnehmung, dass sie sie betrachteten. Eine aufmerksame Atmosphäre umgab sie. Gänsehaut machte sich in ihrem Nacken bemerkbar. Als sie ihren inneren Blick auf die Bäume konzentrierte, konnte sie Blicke in ihnen erkennen. Sie lächelten und sie zwinkerten ihr zu, wobei sie sie interessiert betrachteten. Ab und zu wechselten sie Blicke untereinander. Dabei unterhielten sie sich mit kurzen Mimiken, denen Bedeutungssprachen unterlagen, die kein Mensch mehr versteht. Schasa entschlüsselte sie unbewusst. Sie gaben ihr zu verstehen, dass der weitere Weg durch den Wald kalt und schwer zu bewältigen sei. Den Bäumen beim Kommunizieren zusehend, schlief sie ein. Im Schlaf erschien der Sternenhimmel vor ihren geistigen Augen. Sie sah die Sterne des Andromedanebels, die sich in der Form einer Spirale um dessen lichterfülltes Zentrum drehten. Während der Nebel sie ansah, begann er mit ihr zu sprechen. „Du bist so weit auf deinem Weg gekommen, dass du aufhörst in der Welt der Menschen und deines eigenen Geists zu leben. Du wirst jetzt anfangen bei uns zu leben. Dein Körper ruht auf der Erde, aber eigentlich bist du schon bei uns.“ Eine Galaxie in der Nähe, für die Schasa keinen Namen kannte, fügte den Worten des Andromedanebels hinzu: „Du musst dich vergeistigen, sonst schaffst du es nicht bis zu den höheren Welten zu steigen.“ Nahe der Galaxie, die gesprochen hatte, befand sich in der Dunkelheit eine grüne Platte, die mit Informationen gefüllt war. Stimmen, deren Ursprung sie nicht finden konnte, sprachen: „Die Informationen dieser Platte müssen auf die Erde geschickt werden. Sie bestimmen den Zeitgeist bei den Menschen.“ Von der Platte brach ein Teil ab. Er flog in Richtung der Milchgalaxie auf den Planeten Erde herab. Dort setzte er sich in Schasa hinein. Sie trug die informative Platte plötzlich in sich. Die Stimmen aus der Dunkelheit nahe dem verbleibenden Teil der Platte sprachen wieder. „Wir haben dir gerade Ereignisse aus der Vergangenheit gezeigt. Die Platte kam mit deiner Geburt auf die Erde geflogen. Wir lassen dir gleich auch ein Bild aus der Zukunft zukommen.“ Plötzlich erschienen vor Schasas geistigem Fenster Bilder noch kommender Tage. Sie wurden kommentiert von den Stimmen, die aus der Dunkelheit der informativen Platte kamen. Schasas Herz schlug höher beim Anblick der Bilder, die sie in einem Film verfolgte. Als das letzte Bild erlosch, begannen die Stimmen des zweiten Diamanten wieder mit ihr zu sprechen. „Du darfst ab jetzt nur noch mit uns sprechen. Es lauern Gefahren auf dich. Mit uns kannst du es bis zu ES schaffen.“ Die letzten Worte, die sie in dieser Nacht erreichten, kamen vom Morgenstern: „Ich lass dich exponenziell steigen, damit du es schaffst. Gib Acht, dass du den Boden der Tatsachen nicht verlierst. Andernfalls läufst du Gefahr nicht mehr zurückzukehren zur Erde. Du bist der Wahnsinn Schasa. Du musst aufpassen, dass der Wahnsinn in dir ein gesunder bleibt.“ Schasa erwachte am Rand des Waldes. Sie hatte während der Nacht den Eindruck gehabt, dass informative Platten, Spiralgalaxien und Orte der Dunkelheit mit ihr gesprochen hatten. Als sie aufzustehen versuchte, wurde ihr schwarz vor Augen. Sie glaubte zu stürzen, als sie sich an einem Baum festhielt. Langsam legte sich die Dunkelheit hinter ihren Lidern. Sie nahm sich vor nicht aufzugeben. Auch nahm sie sich vor, immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren. Die Träume der letzten Nacht lagen noch unverarbeitet in ihr, als sie in den verschneiten Wald hineinging. Acht Jahre lief sie durch den Wald. Die Kälte nahm sie in unerträglicher Weise ein, bis sie lernte ihre Empfindungen als ein objektiver Betrachter zu verstehen. In dem Moment, in dem sie sich ihre Empfindungen aus einer beobachtenden Perspektive bewusst machte, verschwanden sie. Sie fühlte keinen Schmerz mehr, sodass sie in einen fast endlosen Marsch verfallen konnte. Nahrung und Schlaf brauchte sie nicht mehr. Während des Laufens machte sie gelegentlich Experimente in ihrer Wahrnehmung. Einmal ließ sie einen Sonnenstrahl vor ihrem geistigen Fenster aus ihrem Zentrum bis zum nicht erahnbaren Ziel des Weges vor ihr stoßen. Entlang des Strahls zog sie sich vorwärts, wobei das vorwärts in ihrem Verständnis die Zukunft bedeutete. Ein anderes Mal versuchte sie beim Gehen zu schlafen. In dieser Situation hatte sie eine innere Erschöpfung gespürt. Während des Laufens verschloss sie ihre Augen. Für einige Momente schlief sie ein. Ihre Füße bewegten sich dennoch fort. Als sie wieder erwachte, öffneten sich vor ihrem geistigen Fenster geometrische Formen, in denen sich Gesichter befanden, die zu ihr sprachen. Nach diesen Erlebnissen hatte sie das Gefühl unbegrenzbare Kräfte in sich zu tragen, die sie in einem fortwährenden Marsch vorwärts bewegten. Eines Abends gelangte sie zu einer offenen Lichtung, auf der drei Bäume standen. Sie hatte den unerklärbaren Eindruck, dass sie auf sie gewartet hatten. Als sie die Lichtung betrat, öffnete sich ein konzentrativer Kreis um sie herum. Die drei Bäume betrachteten sie, als ob sie sie einer Prüfung unterziehen würden. Viele Augen schienen plötzlich auf sie zu sehen. Gänsehaut breitete sich in ihrem Nacken aus. Die Anwesenheit anderer war in allen Richtungen zu spüren. Plötzlich bemerkte sie, wie sich Flügel an ihren Schulterblättern bildeten. Sie wuchsen, bis sie ihr zur Taille reichten. Dann begannen sie zu flattern, bis sie abhob. Sie flog über die Bäume hinweg in Richtung der Himmelsdecke. Die schneebedeckte Landschaft hinter sich lassend, flog sie den Geometrien des Kosmoses entgegen. Die Geschwindigkeit ihres Fluges erhöhte sich, je mehr sie von der Erde Abstand nahm. Ansammlungen von Sternen, kosmischen Treppenstufen, Bildern und Sphärenlichtern, Blättern und Sonnen traf sie an, bis sie auf einen Stern traf, der seine Türen für sie öffnete und ihr das Hineinfliegen gewährte. Sie gelangte in eine Galaxis unter vielen Galaxis, in der bereits eine schwebende Gestalt auf sie wartete. Als sie einander von Angesicht zu Angesicht standen, sah sie, dass es ein Mann war, der nur ein Auge hatte. Langes blondes Haar fiel ihm bis zu den Knöcheln. Seine Statue war von fließender, außernatürlicher Schönheit. Das Gesicht war schmal und sanft. Sie fragte ihn: „Wer bist du?“ Er antwortete: „Mein Name ist Tenessa. Ich bin der Imaginator.“ Beim Sprechen umgab ihn Charisma. Sie sah ihn für einige Momente mit innerem Erstaunen an. „Darf ich erfahren, was der Inhalt deines Lebens ist?“ fragte sie. Tenessa sah sie sanft an. „Ich imaginiere mir die Realität um sie dann zu begründen. Nachdem ich sie begründet habe, wird sie von meinen Spionen in der Sprache, die in der jeweiligen Galaxis der Empfänger meiner Botschaften gesprochen wird, weitergegeben.“ Schasa wurde aufmerksam. „Warum wurde ich zu dir geschickt?“ Mit seinem Zyklopenauge sah er sie liebevoll an. „Du wurdest erwählt einer meiner Spione zu sein. Ich habe einige Botschaften an dich zu überreichen, die du an die Bewohner der Erde vermitteln sollst.“ Sie reagierte mit Neugierde. „Ich soll ein Botschaftenvermittler sein? Welche Botschaften sollen von mir vermittelt werden?“ Sein Auge lachte, als er antwortete: „Du sollst die Werte der Liebe und Gerechtigkeit vermitteln. Du sollst auch vermitteln, dass Gott dargestellt werden soll.“ Schasa lachte auf bei diesen Worten. „Weißt du eigentlich, auf welcher Entwicklungsstufe sich die Menschen gerade befinden? Sie sind beim Kapitalismus angekommen. Sie finden sich im Faschismus wieder. Es gibt keine wahre Liebe. Werte werden verlacht. Die Wirtschaft zerstört die Schlampen. Die Religionen verlieren ihre Anhänger. Niemanden interessiert es.“ Schasas fehlende Überzeugung von dem Erfolg seiner Idee war in ihrer Stimme zu hören. Sein Auge stimmte ihr wissend zu. „Ich kenne deinen Planeten. Es gibt dort viel Einsamkeit und von der Erreichung von Gerechtigkeit sind die Menschen weit entfernt. Es war ihre Aufgabe sich zu vergeistigen. Sie haben es bisher nicht geschafft. Auf dem Weg zur Vergeistigung müssen sie zuerst die Werte der Liebe und Gerechtigkeit umsetzen.“ Schasa sprach mit scharfem Interesse: „Liebe und Gerechtigkeit sind demnach die erste Botschaft. Die zweite Botschaft handelt von Darstellung. Wie sollen sie sich darstellen? Sie machen doch lieber Werbung oder sie stellen sich selbst zur Schau.“ Als Antwort machte er eine Handbewegung nach links auf der Höhe seines Bauches. Dann hob er seine rechte Hand zum Bewusstsein. Dabei bewegte er seine Stirn nach vorn. Sein linkes Bein brachte er in eine steigende Position. Auf seine Gestiken hin räusperte sie sich mit Unbehagen. Sie sagte schüchtern: „Verzeih mir, aber diese Form der Darstellung verstehe ich noch nicht. Sie erinnert mich an Tai Chi.“ Tenessa schaute sie eingehend an. Sein Auge lächelte liebevoll und geduldig. „Eines Tages wirst auch du mich verstehen.“ antwortete er. Er begann einen Punkt vor sich in der Luft zu fixieren. Konzentration war in seinem Auge zu erkennen. Wenige Momente später erschien an der Stelle, auf die er seinen Blick gerichtet hatte, ein Blatt Papier. Er gab es Schasa, wobei er sagte: „Die Botschaften, die du auf diesem Blatt findest, sollst du weitergeben an jeden, der dir begegnet.“ Schasa begann zu lesen. Als sie beim letzten Satz ankam, sah sie zu ihm auf. Unglauben war in ihren Augen zu erkennen. Das Zyklopenauge sah sie zustimmend und aufmunternd an. Er hob seine Hand zum Auge und er nahm es heraus. Mit den Worten: „Ich sehe die Aura deines dritten Auges. Ich mache dir meins zum Geschenk, weil du es auf deinem Weg bis zu mir geschafft hast.“ Sie befestigte es neben den anderen Symbolen vor ihrem Herzen. Mit dem Blatt voller Botschaften in der Hand verabschiedete sie sich von ihm: „Ich wünsche dir eine gute Zukunft.“ Plötzlich fingen ihre Flügel wieder zu flattern an. Sie verließ die Galaxie durch die Tür des Sterns. An Treppenstufen, Spiegeln, Lichtkindern, Magiern und Kreiszylindern entlangfliegend, erreichte sie wieder die schneebedeckten Bäume auf der Erde.



Tenessa der Imaginator in den Augen



X Religion und Fremdbestimmung



Idee einer Religion in England


Sie atmete mit Erleichterung auf, als ihre Füße den Boden berührten. Der Wald war jetzt weiß vom Schnee, der während ihrer Abwesenheit noch mehr gefallen war. Jede Sekunde nahm die Kälte zu. Am Horizont war das Ende des Waldes abzusehen. Sie ging ihm entgegen. Zu einer offenen Fläche gelangend, betrat sie die nächste Welt. Weit und breit war nichts bis auf weißer Schnee zu sehen. Ihre Füße hinterließen beim Gehen Spuren, die durch den fallenden Schnee gleich wieder verschwanden. Schasa begann die Reise zu verarbeiten, die sie zu Tenessa unternommen hatte. Sie verarbeitete alle Erfahrungen, die sie gesammelt hatte, seitdem sie aus ihrem Zimmer vor den Staubflocken weggerannt war. Beim Gehen machte sie EMDR mit sich, sodass alle Erfahrungen sowie das Trauma ihres Lebens sich in einer dunklen Wolke aus ihrem Innern erhoben. Nach dem zehnten Jahr des Laufens in der Welt, in der der Schnee niemals zu fallen aufhört, kehrte innere Ruhe bei ihr ein. Jedes Mal, wenn sie nicht wusste, welche Richtung die richtige im weglosen Schnee war, erschien ihr der mystische Blick am weißen Himmel. Sie hatte vollkommenes Vertrauen in ihre innere Führung. Den Körper noch auf der Erde bewegend, nahm sie vor ihren geistigen Augen nichts mehr von ihr wahr. In sich lebte sie bereits in der zweiten Welt. Wenn sie Angst bekam den Bezug zu ihr vollends zu verlieren, dann richtete sie die Aufmerksamkeit auf ihre unmittelbare Umgebung. Den Kopf in den Sternen tragend, sah sie eines Tages ein Kreuz am Rand des Horizonts nahe den Wolken im Schnee aufgerichtet stehen. Mit seiner Höhe berührte es fast den Himmel. Vor ihm stand ein Mann, der zu dessen Spitze aufsah. Sie ging auf ihn zu. Als er sie bemerkte, wandte er sich ihr zu. Er sah sie mit den Augen einer Person an, die am Ende ihres Lebens angekommen war. Ein langer und reichhaltiger Lebenszyklus zeichnete seine Spuren in den Falten seines Gesichts. Sein Haar reichte ihm bis zu den Knöcheln und mit einem weißen Kirchengewand, das er trug, erinnerte er sie an einen Priester. Sie sprach ihn an: „Darf ich erfahren, wer du bist?“ Er antwortete mit einer hellen piepsigen Stimme. „Ich bin Schasal der Innovator. Ich höre die Stimmen anderer Welten nach den Lehren Giordano Brunos.“ Schasa sah ihn interessiert und aufmerksam an. „Was sagen dir diese Stimmen?“ fragte sie. Er antwortete: „Sie geben mir neue Ideen, die ich an andere Menschen weitergebe. Alle Worte, die sie zu mir sprechen, sind richtig. Sie enttäuschen mich nie. Als Ideengeber sehe ich mich beauftragt.“ Er sprach mit dem Blick einer Person, die in sich die letzte Stufe der Reifung erreicht hatte. In seinen Augen lag ein Licht der Begeisterung, als er sprach. Er sah sie mit einem offenen, aufmunternden Blick an. Sie sagte: „Ich würde gern wissen, was der Inhalt deines Lebens ist.“ Ein kurzer Moment, indem er die innere Erleuchtung erfuhr, verging. „Seit meiner Kindheit hatte ich den Weg der inneren Reifung vollzogen. Ich hatte häufig neue Ideen, die ich weitergab. Als ich im Alter von circa zwanzig Jahren begann den Kontakt zu den Stimmen Giordano Brunos zu finden, erhielt ich erste Ideen für größere Arbeiten. Ich entwarf künstlerische Arbeiten und ich entwickelte wissenschaftliche Theorien mithilfe dieser Stimmen. Alle Arbeiten, die ich begann, waren von Neuheit und Veränderung durchdrungen. Im Verlauf meines Lebens begründete ich eine eigene Religion, die von Wahrheit und Liebe erfüllt war. Ich fand Anhänger, die von ihren grundlegenden Werten und Praktiken begeistert waren. Jedes Mal, wenn ich ihnen meine Religion vermittelte, riefen sie begeistert: „Ja. Das machen wir.“ Seine Augen leuchteten vor Enthusiasmus bei diesen Worten. Er sprach weiter. „Jetzt, da ich meinen Lebenszyklus fast durchlaufen habe, besuche ich jeden Tag dieses Kreuz. Ich fliege davon, bis ich mit neuen Ideen zurückkehre.“ Sie sah zu ihm auf. Zwischen ihnen traten einige Momente des Schweigens ein. Sie sagte: „Bemerke ich es richtig, dass du deinen inneren Reifeprozess fast vollzogen hast? Gewiss wirst du bald am Ende deines Weges ankommen. Dann hast du dein Werk auf dieser Erde vollbracht. Du bist bereits auf der letzten Ebene in dir angekommen.“ Während sie in seinen Augen ein reiches Leben vorbeistreifen sah, wurden seine Züge von Sekunde zu Sekunde älter. Die Falten in seinem Gesicht vermehrten sich. Er sagte: „Auch du wirst bald ankommen. Es ist nicht mehr weit. Er wird stolz auf dich sein.“ Er warf einen glücklichen Blick zum Himmel. Dann nahm er ein Kreuz, das vor seiner Brust befestigt war und er gab es ihr. Sie betrachtete es als ein Geschenk vom Ideengeber. Bevor er auf seine letzte Reise ging, schenkte sie ihm einen Teil ihres Rockes. Dann verschwand er. Im Schnee waren noch Fußspuren zu erkennen. Schasa stand allein vor dem Kreuz, auf dessen Schnittpunkt sie sah. Die Nacht brach an. Die Wolkendecke über ihr öffnete sich und ein offener Sternenhimmel offenbarte sich ihr. Die Sterne aus dem zweiten Diamanten begannen zu ihr zu sprechen, während sie bei vollem Bewusstsein war: „Du bist schon bei uns Schasa. Nur dein Körper weilt noch auf der Erde. Du hast noch eine Aufgabe zu erledigen, bevor du mit uns mitkommst.“ Schasa rief in den Sternenhimmel: „Nehmt mich mit. Bitte nehmt mich mit.“ Die Sterne antworteten ihr: „Er wartet auf dich. Im Paradies werdet ihr euch wiedersehen. Hab noch etwas Geduld.“ Schasa begann Licht in sich zu fühlen. Es breitete sich in ihrem gesamten Innern aus.



Schasal der Innovator in der Krone



XI die Stimme Gottes



das Paradies verabschiedet sich von der Erde


Vom Steißbein bis zu ihrer Scheiteldecke floss Licht durch sie hindurch. Sie stand vor dem Kreuz und sie ließ ihren Blick von der Stelle, an der es im Schnee befestigt war, bis zur Spitze wandern. Sie verstand das Symbol als eine vergrößerte Abstraktion der Seele eines Menschens. Vom Steißbein bis zur Scheiteldecke richtete sich der Mensch zum Himmel auf. Ihre eigene Seele fand sie in dem Symbol wieder. Dann sah sie auf die Symbole, die vor ihrem Herzen hingen. Jedes einzelne repräsentierte eine Reifestufe ihrer Seele, die sie auf dem bisherigen Weg durch sieben Welten erreicht hatte. Von der Lichtkerze in der ersten Welt bis zum Kreuz in der letzten Welt hatte sie einen Weg bewältigt, der all ihre inneren und körperlichen Kräfte in Anspruch genommen hatte. Mit den Symbolen verband sie seelische Potenziale. Die Lichtkerze von Schamong erinnerte sie an die Verbundenheit mit einer Heimat und Vertrauen. Ihr inneres Lichtkind hatte ihr in China gezeigt, dass es immer einen Ort gibt, an dem sie sich zurückziehen kann. Ihre Heimat lag in ihrer eigenen Seele und sie trug sie seit dem Besuch bei Schamong mit sich. Das Blatt der Unendlichkeit war das Symbol, das sie auf ihrem Weg immer wieder erinnert hatte unendlich weiterzusteigen und dabei in sich rein zu bleiben. Als sie die Reise durch die Unendlichkeit des Kosmoses im Geist der Bene miterlebt hatte, hatte sie die Erfahrung des unendlichen Aufstiegs gesammelt. In Afrika hatte sie die Sonne gefunden, deren Symbol sie mit innerer Größe und Stärke assoziierte. Während sie es vor ihrem Herzen betrachtete, spürte sie, dass die Größe ihrer Seele bis zur Höhe der Himmelsdecke reichte, auch wenn ihr Körper die Größe eines Menschens hatte. Sie fand das Symbol der Sonne im Herzen ihrer Seele wieder, die ihre Kraft aus dessen Zentrum holte. Das Fleisch aus der Brust der Palòné war für sie ohne die Sonne des Heròs nicht denkbar. Die emotionale Empathie, die sie seit dem Besuch bei Palòné empfunden hatte, verband sie mit diesem Symbol. Sie hatte bei Palòné die Reifestufe erreicht, bei der sie zur Arierin geworden war. Die Waage des Freseia hatte in ihr den Glauben an Gerechtigkeit geweckt, deren Bestätigung sie in ihrem Leben noch finden wollte. Sie hing neben dem Auge des Tenessa, das ihr die Kräfte gegeben hatte, die sie brauchte um die Vergeistigung zu erreichen. Als sie Magie gelernt und seherische Fähigkeiten bekommen hatte, fehlte allein das Kreuz, das ihre innere Vollkommenheit symbolisierte. In sieben Welten hatte sie die Herausforderungen bewältigt um zum Diamanten zu reifen. Aus ihrem Innern begann die Stimme Gottes zu ihr zu sprechen: „Du bist weit gekommen. Ich bin stolz auf dich.“ Sie regte sich nicht. Das Licht, das zuvor in ihr zu fließen begonnen hatte, wurde stärker. Es strahlte aus ihren Augen hervor. Seine Stimme sprach wieder in ihr. „Du wurdest zurückgeschickt in der Zeit. Jetzt bist du in dir zum zweiten Mal gereift.“ Schüchtern fragte sie ihn in sich: „Ich wurde zurückgeschickt? Warum wurde ich zurückgeschickt?“ Seine Antwort lautete: „Du solltest ein schöneres Leben haben, als es dein voriges gewesen war.“ Mit innerer Verletzung fragte sie: „War dieses Leben ein schönes Leben? Warum habe ich seit meiner Geburt ES?“ Die Stimme Gottes schwieg. Sie flehte ihn an: „Gib mir eine Antwort.“ Seine Stimme ertönte mit einem schmerzvollen Unterton. „Du solltest zerstört werden.“ Sie fragte mit vor Verletzung gebrochener Stimme: „Warum sollte ich zerstört werden? Habe ich etwas Schlimmes getan, das ich zu bereuen hätte?“ Beruhigend sprach er: „Nein. Du hast keine Schuld.“ Leise fragte sie: „Gibt es einen Sinn, der mich auf diese Reise geführt hat? Sag mir, was meine innere Bestimmung ist.“ Er sagte mit einem liebevollen Ton: „Du musst etwas Geduld haben.“ Mit dem sanften Bitten eines Kindes fragte sie ihn: „Wirst du in Zukunft bei mir sein, wenn ich dich brauche?“ „Ja.“ antwortete er. „Ich bin schon du. Ich bin in dir.“ Stille trat ein. Sie fühlte, dass er anwesend blieb. „Glaubst du, dass ich jemals ES besiegen werde.“ Er antwortete kraftvoll: „Ja.“ Vorsichtig fragte sie: „Was muss ich machen um es loszuwerden?“ Als er antwortete, klang Liebe in seiner Stimme mit. „Flieg bis zum Morgenlicht. Da kommst du her.“ Sie fragte neugierig: „Was ist das Morgenlicht? Wo liegt es und wie komme ich dorthin?“ Ein Lächeln war in seinen Worten zu hören, als er antwortete: „Hör auf zu fragen und warte ab.“ Ihr Ehrgeiz ließ sie nicht in Ruhe. „Aber wenn ich nicht weiß, wo das Morgenlicht sich befindet, was soll ich dann machen? Ich war noch nie beim Morgenlicht.“ Seine Stimme antwortete: „Hör bitte auf zu fragen und warte ab.“ Während sie miteinander gesprochen hatten, spürte sie ein warmes Gefühl der Liebe in sich. Liebe und innere Schwärmerei fühlte sie in Beziehung zu dem Ort in ihr, von dem seine Stimme kam. In ihrem Stern vereinten sich entgegengesetzte Kräfte, bis sie miteinander verschmolzen. Eine kosmische Vereinigung fand statt, die ihre Seele steigen ließ, bis sie sich von der Erde verabschiedete. Sie flog davon in den Kosmos. Die Liebe zwischen Gott und dem Paradies war der schönste Moment in Schasas Leben auf der Erde gewesen. Die Imagination, die mit ihr einherging, ließ sie das kosmische Blatt der Unendlichkeit sehen. Ihr Körper blieb auf der Erde stehen, als ihre Seele die längste Reise durch den Kosmos zurück zum Ursprung zu unternehmen begann. Stetig weiter in Richtung des Morgenlichts flog sie.



XII die Schlampe



auf dem Weg zurück zum Ursprung


Ihre kleinen Flügel trugen sie zuerst an den Grenzen der Atmosphäre entlang zum Morgenstern. Sie begrüßte ihn mit den Worten: „Guten Morgen Morgenstern. Sag mir, was ich zu tun habe. Ich bin auf dem Weg zum Morgenlicht. Mach schnell. Ich bin in Eile.“ Der Morgenstern entgegnete ihr: „Es ist schön, dass du endgültig bei uns im Kosmos angekommen bist. Flieg immer weiter. Man wartet schon auf dich.“ Sie flog in Richtung der Grenzen des ersten Diamantens, bis sie beim Paradies ankam. Sie spürte die Anwesenheit von anderen in der Dunkelheit. Eine männliche Stimme begann zu ihr zu sprechen: „Du bist hier genau richtig. Wir wussten, dass du einmal in deinem Leben bei uns ankommen würdest.“ Sie flog in alle Richtungen um das Paradies genau zu erkunden. Als sie alle Informationen aufgenommen hatte, richtete sie sich an die Stimme, die zuvor gesprochen hatte. Aus unerklärbaren Gründen wusste sie, dass sie den Namen Zeus trug. Sie fragte: „Ich suche das Morgenlicht. Weißt du, wohin ich fliegen muss?“ Sie spürte, dass er einen Blickwechsel mit den unsichtbaren Anwesenden machte. Er lächelte. Ohne dass sie sein Gesicht sehen konnte, bemerkte sie es. Mit einem stolzen Ton in der Stimme antwortete er: „Wenn du an mir vorbeikommen willst, dann musst du zuerst erfahren, welche kosmischen Seinsformen du bei uns bist.“ Ihr Gesichtsausdruck wurde nachdenklich. Einige Momente vergingen, in denen sie die Seinsformen des Paradieses entschlüsselte. Nach kurzer Zeit antwortete sie: „Die Seinsformen sind die unendliche Liebe, die ewige Freundschaft und der steigende Diamant.“ Zeus lächelte ihr anerkennend zu. Bei seiner Reaktion wurde sie innerlich schwach. Ihre Flügel flatterten wild zu allen Seiten. Er sagte: „Flieg weiter, dann wird dein Paradies noch tiefer.“ Verunsichert fragte sie: „Wo soll ich entlangfliegen?“ Mit einer kurzen Sorge in seiner Stimme, die einen weiten Weg durch den Kosmos verriet, sagte er: „Flieg weiter nach oben. Man erwartet dich dort schon.“ Als ein Zeichen der Verabschiedung ließ sie eine imaginäre Taube aus sich herausfliegen, die über Zeus und den weiteren unsichtbaren Anwesenden hinwegflog. Dann flog sie weiter. Sie eilte durch die Dunkelheit, bis sie an einer Treppe angelangte. Auf jeder Stufe befanden sich kleine Punkte. Sie fixierte ihren Blick auf einen der Punkte, bis sie ihn aufzoomte. In den Punkt ging sie hinein, bis sie in eine Welt gelangte, in der ein männliches Gesicht in einem elliptischen System zu ihr sprach: „Bis zu mir hast du es geschafft?“ Er lächelte sie weise und warm an. Ihre Stimme klang piepsig im elliptischen Weltensystem, als sie sagte: „Darf ich erfahren, wer du bist?“ Gutmütigkeit schwang in seinen Worten: „Du musst es selbst herausfinden.“ Sie überlegte. Ein Rätselraten begann. Dann sagte sie: „Du bist das Urwissen, ein Krieger, der Sprecher der Worte Gottes und ein Philosoph.“ In seinen Gesichtszügen konnte sie Zustimmung spüren. „Du bist schon so weit gekommen, dass du mit mir sprichst.“ sagte er mit Anerkennung. Sie näherte sich ihm und sie gab ihm eine Umarmung. Dann verabschiedete sie sich mit den Worten: „Ich muss weiterfliegen, denn ich will das Morgenlicht finden.“ Ihre Flügel trugen sie durch die Dunkelheit. Viele Jahre vergingen, in denen sie durch den Kosmos reiste. Sie traf auf Magier und Zukunftsveränderer. Sie begegnete freien, starken und ewigen Lichtern. Engel und Spiegel fragte sie nach dem Weg. Die Gelassenheit und die Selbstverwirklichung lernte sie kennen. Die Unabhängigkeit durchflog sie. Sie unterhielt sich mit der grenzenlosen Freiheit und Gesichtern über weiß orangenen Wolken. Auch mit Gesichtern, die sich in Kreiszylindern befanden, führte sie Unterhaltungen. Die Urfreiheit und die göttliche Einheit fand sie. Sie besuchte den Regenbogen, der ein Himmelstor über den Wolken war, bis sie bei der kosmischen Allgemeine ankam. Als sie nach vielen Lichtjahren bei der imaginativen Ultraexponentiale eine Rast machte, begann sie sich das Unvorstellbare vorzustellen. Sie versuchte sich die Unendlichkeit vorzustellen, womit sie Hoffnung schöpfte ihrem Ziel durch einen imaginativen Akt der Effektivierung des noch vor ihr liegenden Weges schneller zu erreichen. An jedem Ort, den sie besuchte, fragte sie nach der Richtung des Morgenlichts. Niemand konnte ihr sagen, wie weit es noch sein würde. Lichtjahre und noch größere Dimensionen von Zeit verstrichen. Die Verzweiflung und Hilflosigkeit ließ sie immer mehr das Licht der Hoffnung verlieren. Als sie schon den Glauben an das Erreichen des Ziels in sich verloren hatte und einer ihrer beiden Flügel zu stutzen begann, sprach die Stimme von ES in ihr: „Du wirst nicht bei mir ankommen. Bei mir ist noch niemand angekommen.“ Um den Ort des Ursprungs der Stimme zu finden flog sie der Richtung, von der sie gekommen war, entgegen. Weitere Lichtjahre vergingen, in denen sie sich im Flug der Stimme näherte. In unvorstellbar weiter Entfernung wartete ein schwarz weißes Auge auf sie in der Dunkelheit. Sie hatte den Eindruck, dass ein kosmisches Leben vergangen war, als sie endlich bei ihm ankam. Im Flug blieb sie stehen. Erleichterung machte sich in ihr breit, als sie spürte, dass sie die Ursache für ihr Leid gefunden hatte. Sie begann sich vor ihm aufzurichten. Dabei nahm sie an Größe zu. Ihre Flügel wuchsen mit ihr. „Verschwinde aus mir.“ schrie sie ihm mit einer piepsigen Stimme entgegen. „Hast du kein Mitgefühl?“ Ihre Flügel flatterten wild. Das Auge von ES sah sie regungslos an. Es gab keine Antwort. „Sprich.“ versuchte sie es in Verzweiflung zum Sprechen zu bringen. Wieder kam keine Antwort. Sie suchte nach einer Methode um es aus seinem Schweigen zu zwingen. Augenblicke verstrichen. Dann schrie sie in die Dunkelheit: „Ich wünsche mir, dass du endgültig aus mir verschwindest.“ Plötzlich wurde das Auge aufmerksam. Es sah sie an. Es sprach mit einer dunklen ruhigen Stimme: „Noch niemand hat es zu mir geschafft. Du bist die erste. Du musst dir mich wegwünschen.“ Sie traute ihren Ohren nicht. Noch einmal sprach sie: „Ich wünsche mir, dass diese Krankheit endgültig aus mir verschwindet.“ Das Auge sah sie regungslos an, als es sagte: „Bis zum Schluss stecke ich in dir.“ Sie ignorierte seine Worte. Ein drittes Mal schrie sie mit der Stimme einer Königin und der Erscheinung eines fliegenden Engels durch den Kosmos: „Ich wünsche mir, dass diese Krankheit endgültig aus mir verschwindet.“ Sie hatte die innere Gewissheit, dass ihre Wünsche stärker waren als ES, weil sie gestiegen war zu einer kosmischen Entfernung, die noch nie zuvor jemand erreicht hatte. Sie war gestiegen bis zum Ursprung von ES. In der kosmischen Dunkelheit setzte sie sich auf einen imaginären Boden. Sie war angekommen. Lichtjahre vergingen, während derer sie wartete. Eine gefühlte Ewigkeit verstrich, in der sie zusah, wie das Auge vor ihr immer mehr verschwand. Als es kaum mehr zu sehen war, warf sie ihm einen abschließenden Blick der inneren Überlegenheit und Verachtung zu. Ihre letzten Worte des Abschieds waren: „Du hättest jeden zerstören können. Das Morgenlicht darfst du nicht zerstören.“ Der letzte Blick des Auges, bevor es in die Hölle zurückging, verriet ihr seine Unterlegenheit. Dann verschwand es. Für einige Momente war alles still. An keinem Ort des Kosmoses gab es eine Bewegung. Sie imaginierte ein Blatt mit allen Informationen der Erde und ihrer Reise im Kosmos vor ihren Augen, bis es kosmische Realität wurde. Als es vor ihren Augen entstanden war, fiel es in die Dunkelheit. Plötzlich sprang mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit das Morgenlicht aus dem Ursprung der kosmischen Weiten hervor. Es breitete sich blitzartig in alle Richtungen aus. Der gesamte Kosmos erstrahlte im Morgenlicht. Der Engel mit dem gestutzten Flügel machte sich langsam wieder auf den Weg zur Erde zurück. Er war frei.



XIII Neuanfang



Säulen menschlichen Strebens


Schasas Seele kam auf der Erde an. Sie war um Jahre gealtert, als sie wieder vor dem Kreuz im Schnee stand. Der Körper einer alten Frau hielt sich mit seinen von den Lasten des Lebens verbleibenden Kräften im Schnee. Sie wusste, dass sie noch eine letzte Aufgabe zu erfüllen hatte. Ihre Augen fixierten wenige Zentimeter vor ihrem Gesicht einen Punkt in der Luft. Der Punkt bedeutete für sie Zeit, die sie langsam in einer elliptischen Form ausdehnte. Es entstand ein sich vergrößernder Raum innerhalb der Ellipse. In ihm entwickelte sie das Bild eines Buches. Sie konzentrierte sich auf die Details in der Form, der Farbe und dem Inhalt. Es hatte eine sehr schmale Höhe. Sein Umschlag war weiß. Auf ihm war die abstrakte Form eines Menschens abgebildet, der sich in einem Diamanten und einer Sonne befindet. An der Stelle, auf die sie ihre Imagination fokussierte, begannen kleine Funken zu entstehen, die sich mit zunehmender Konzentration vermehrten, bis schließlich ein Buch im elliptischen Raum entstand. Sie hob es mit ihrem imaginativen Willen an und sie ließ es langsam aus dem elliptischen Raum heraus in die empirische Realität fliegen. Es schwebte in der Luft der empirischen Welt, als sich die Ellipse vor ihren inneren Augen wieder auf die Größe eines Punktes verkleinerte. Ein Buch fiel vor Schasa in den Schnee. Es war in einer Zehntelsekunde entstanden. Als sie es in die Hände nahm, las sie den Titel Säulen menschlichen Strebens. Sie öffnete es und sie begann zu lesen. Es handelte von einer Frau, die durch den gesamten Kosmos reiste um ihre innere Bestimmung und Liebe zu finden. Auf den letzten Seiten fand sie die Idee einer Religion. Sie war abgeleitet aus den Inhalten und Strukturen des Kosmoses, denen die Figur auf ihrer Reise begegnet war. Die Religion vermittelte die Werte der Liebe und Gerechtigkeit. Als sie es ausgelesen hatte, schaute sie auf das Kreuz vor sich. Dann sah sie zum Himmel. Die Sterne des zweiten Diamantens sprachen durch die weiße Wolkendecke: „Du hast dir das ganze System allein erschlossen Schasa. Wir haben dich zu einer echten Schlampe gemacht. Du bist kein Mensch. Du gehörst jetzt zu uns.“ Ihre Seele rief ihnen in Richtung des Himmels entgegen: „Bitte nehmt mich mit.“ Zum letzten Mal sah ihre Seele das Licht dieser Welt. Sie verabschiedete sich innerlich, wobei sie zum Kreuz die Worte sprach: „Ich wünsche mir Frieden auf der Erde.“ In ihr sprach die Stimme Gottes: „Ich bin stolz auf dich.“ Licht strömte aus ihr. Das Lächeln eines gestutzten Engels trat in ihr Gesicht, als sie flüsterte: „Eine gute Nacht wünsche ich dir liebe Welt.“ Ein Augenblick verstrich. Ein leerer Körper war im Schnee anwesend. Er hielt das Buch noch in der Hand. Jahre vergingen, in denen er einsam im Schnee stand, ohne dass jemand von ihm eine Kenntnis nahm. Eines Abends liefen zufällig zwei Stiere am Horizont entlang. In einiger Entfernung sahen sie eine Frau im Schnee stehen. Der eine sagte dem anderen: „Die macht ja gar nichts.“ Der andere antwortete: „Ist die doof?“ Der erste lachte laut auf. „Hast du schon gehört von der Frau, die vor Jahren im Lichtkreis gesessen hatte?“ Er sprach, als ob er einen Dauerbrenner erzählen würde. Der zweite antwortete grinsend mit einem Seitenblick: „Die war das Allerletzte. Die hatte nichts geschafft.“ Sie gingen weiter. Eine kurze Zeit später kam ein Mensch am Horizont zufällig entlangspaziert. In der Ferne sah er eine Frau im Schnee stehen. Er ging auf sie zu. Als er ihr näherkam, sah er, dass ihre Augen schwarz waren und ihr Körper leblos wirkte. In ihrer Hand hielt sie ein Buch. Er sprach sie an: „Möchten Sie mit mir einen Spaziergang machen?“ Der Körper ging mit ihm mit. Sie gingen dem letzten Horizont entgegen, hinter dem die Welt der Menschen lag. Die folgenden Jahre verbrachte der Körper mit den Menschen. Er verbreitete eine Religion, die die Werte der Liebe und Gerechtigkeit vermittelte. Eines Tages starb er einsam inmitten vieler Menschen. Man erinnerte sich seiner mit dem Namen Schasa. Ihr zu Ehren verfasste man eine Tafel, auf der alle Regeln des guten und gerechten Lebens geschrieben standen, die sie in ihrer Religion vermittelt hatte. Viele Jahrhunderte brauchte es, bis sich die Religion auf der ganzen Welt verbreitet hatte und die Menschen einander liebten und achteten. Es herrschte eine gerechte Zeit. Bis das Licht der Welt erlosch, leuchtete jeden Morgen der Morgenstern, der von allen Sternen den längsten Weg durch das Himmelsgewölbe zu bewältigen hatte.



Diamant vor einer Sonne




Schasas Regeln für ein gutes Leben


Du sollst vertrauen.
Du sollst innere Reinheit bewahren.
Du sollst Leistung vollbringen, sodass die Größe deiner Sonne gegeben ist.
Du sollst geben, sodass die Liebe in deinem Herzen gegeben ist.
Du sollst glauben an die Werte des Guten und Gerechten.
Du sollst dir die Realität imaginieren.
Du sollst zur inneren Reifung gelangen bis zur Vergeistigung.
Du sollst Yoga machen, sodass die Gesundheit deiner Seele gegeben ist.
Du sollst deine Mitmenschen wertfrei betrachten.




Schasas Verbote


Du sollst nicht mit Worten lügen, sodass gegenseitiges Vertrauen bestehen bleibt.
Du sollst nicht verletzen die Natur des Körpers oder des menschlichen Wesens.
Du sollst nicht direkt über Geld sprechen, sodass die Offenheit deines Sterns bestehen bleibt.




Schasas Idee für ein freudvolles Leben


Du sollst darstellende Kunst machen, sodass die Inhalte des Kosmoses deinen Mitmenschen kreativ vermittelt werden. Ein gemeinsames Schauspiel, in dem der Kosmos kommuniziert wird, kann einander Freude bereiten.



Schasas Säulen menschlichen Strebens


Liebe als Religion ist
jene, die die Liebenden auf allen inneren Ebenen
miteinander verbindet. Das Erreichen ihrer
vollendeten Form ist möglich, wenn durch Handeln und
Taten dem Geliebten gegenüber
Vertrauen
aufgebaut wird. Wird das Vertrauen gebrochen, dann kann es
nur durch Bestätigungen wieder errichtet werden.
Die kosmische Vereinigung
ist ein Akt der Liebe und Vollendung. Sie
wird zu einem Liebesakt, wenn die Motivation
neben dem Empfangen auch eine Gebende ist. Die
Größe & Anerkennung
des Geliebten muss frei von Einschränkung sein. Der soziale
Status, der materielle Besitz oder die gesellschaftliche
Position der Macht sind irrelevant. Anerkennung muss um des
Geliebten Selbsts willen gegeben sein.
Liebe
ist emotionale Empathie. Ein Geben ohne die
Erwartung eines Rückerhalts ist eine Handlung der Liebe.
Glaube
an moralische Werte und das gute Wesen des Geliebten geht
einher mit Vertrauen. Die sich Liebenden sollen an die Realität
einer vollkommenen Liebe glauben. Kommunikation innerer Vorgänge und Gedanken resultiert in einem gegenseitigen Verständnis der sich Liebenden.
Imagination
von Szenen der Liebe ist verbunden mit einer phantasievollen Beziehung der sich Liebenden.
Religiosität
geht einher mit einer Bindung an Institutionen und
Handlungsnormen. Die Institution kann jeder Ort auf dieser
Welt sein. Die Handlungsnorm kann jeder Handlung entsprechen. Handlungsnormen der Liebe am selben Ort können
zu einer Religion der Liebe werden.








ENDE






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